Das Pokerspiel um Erfurts Bäder geht in die heiße Phase

Erfurt. Teils offen, teils hinter den Kulissen wird heiß über die Zukunft der Erfurter Bäderlandschaft diskutiert. Es geht um Bedarf und um Tradition, um Geld und um Politik. Der Riss verläuft quer durch die Parteien. Bild: Familientag im Möbisburger Bad: Das Freibad ist bedroht, hat aber noch Chancen. Foto: Susann Fromm Der Trend geht zur Schwimmhalle. Diese Auffassung vertritt zumindest Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD), der zuletzt von „zu vielen Freibädern“ und einem „fehlenden Hallenbad“ sprach. Doch wo gebaut und wo geschlossen werden soll, ist längst nicht sicher. Welche Freibäder Bausewein als „zu viel“ im Blick hat, steht allerdings fest. Wie die Stadtwerke Bäder GmbH als Betreiber der meisten Bäder bestätigte, werden das Freibad in Möbisburg und das historische Dreienbrunnenbad als besonders kritisch betrachtet. Beide Bäder weisen einen hohen Sanierungsbedarf und vergleichsweise geringe Besucherzahlen auf. Intern hat sich die Bäder GmbH aber auf eine Rangfolge der Abschussliste festgelegt. Demnach ist die Sanierung des Möbisburger Bades für 3,7 Millionen Euro nicht ganz vom Tisch. Das Dreienbrunnenbad ist am stärksten bedroht – trotz der 1531 Unterstützer-Unterschriften, die der Förderverein im Internet sammelte. Die fehlenden Schwimmhallen-Kapazitäten wollen der Oberbürgermeister und Kathrin Weiß, die Chefin der Bäder GmbH, aber nicht durch einen reinen Neubau schaffen. Statt dessen sind Pläne gereift, die Roland-Matthes-Schwimmhalle im Süden der Kernstadt um ein 25-Meter-Becken zu erweitern. Schwimmhallen-Alarm im Erfurter Norden Die Details der Planung verraten, wie intensiv die Erweiterung durchdacht ist. Dazu gehören ein Hubboden, aufschiebbare Seitenwände sowie Kosten von acht Millionen Euro. Im Erfurter Norden lösten diese Pläne einen Schwimmhallen-Alarm aus. Die Ortsteilbürgermeister vom Rieth, vom Roten Berg und vom Moskauer Platz fanden sich flugs zusammen und gründeten eine „Initiative für eine dritte Schwimmhalle im Norden“. „Ohne Not“ hätten Weiß und Bausewein das Thema aufgemacht, meinte gestern Torsten Haß, Ortsteilbürgermeister vom Moskauer Platz. Ziel der Initiative ist es, einen Neubau im Norden, etwa gegenüber der Vilniuspassage, durchzusetzen. Einflussreiche Unterstützer wurden angesprochen. Auf den Stadtteilfesten lagen Unterschriftensammlungen aus. Die Initiative beruft sich auf die 2008 abgerissene Rieth-Schwimmhalle und das Versprechen von Ersatz. Torsten Haß, der auch Erfurts SPD anführt, verweist auf Stadtrats- und Parteitagsbeschlüsse. Sie alle besagen, dass eine dritte Halle wenn, dann nur im Norden entsteht. Unsere Grafik fasst die Situation der einzelnen Freibäder und Schwimmhallen (Symbol mit Dachbalken) zusammen. Grafik: Andreas Wetzel Unsere Grafik fasst die Situation der einzelnen Freibäder und Schwimmhallen (Symbol mit Dachbalken) zusammen. Grafik: Andreas Wetzel Doch ist diese Halle selbst parteiintern nicht unumstritten. Urs Warweg (SPD), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, sieht bei einem Neubau im Noden die Stadt-Balance gefährdet: Er wunderte sich, warum der mit Sportanlagen unterversorgte Südosten nicht eigene Forderungen aufmache. Am Herrenberg, Wiesenhügel und in Melchendorf mangele es an Sportplätzen. Aber auch eine Schwimmhalle sei vorstellbar: Vom Drosselberg sei es mit der Straßenbahn schließlich genau so weit zur Matthes-Schwimmhalle wie vom Rieth. „Da hat er Recht“, meint der Ortsteilbürgermeister vom Wiesenhügel, Matthias Plhak. „Ich erwarte von den Kollegen im Norden, dass auch unsere Forderungen an die Stadtpolitik mit berücksichtigt werden.“ Plhak, der Linke-Mitglied ist, will nicht gleich eine Schwimmhalle im Südosten fordern. Doch empfindet er die Initiative aus dem Norden als „zur Unzeit gestartet“. „Allen muss klar sein, dass die Forderung in der derzeitigen Finanzlage völlig unrealistisch ist“, sagt Plhak. Wenn jeder Bezirk eine Bürgerinitiative starten wolle, dann kämpften bald fünf Initiativen gegeneinander. Doch während Plhak die Kapazitäts-Probleme mit der Erweiterung der Matthes-Schwimmhalle lösen will, unterstützt Hans-Jürgen Czentarra, Ortsteilbürgermeister vom benachbarten Herrenberg, die Forderung aus dem Norden. „Eine Schwimmhalle im Rieth hat oberste Priorität“, sagt Czentarra, ebenfalls ein Linke-Mitglied. "Thüringer Freibäder" - der schnelle Weg in Thüringens Freibäder TA 14.07.2015

16.07.2015 von Thomas Hartmann