Erfurter Brunnenkresse legt frostbedingte Wachstumspause ein

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Bei frostigen Temperaturen wie jetzt wächst die Brunnenkresse nicht, deshalb ist auch der Hofverkauf in der Hochheimer Straße geschlossen.

Erfurt. Zwar läuft die Ernte im Normalfall von September bis April, also in den Monaten mit einem "r", doch eine Garantie gibt es eben nicht. Aber Ralf Fischer kann zugleich auch beruhigen: "Die Brunnenkresse steht gut und der Bestand ist gesichert." Die Pflanzen fühlen sich momentan in dem gut elf Grad warmen Wasser wohl. Sobald sie aber herauskommen, würden sie erfrieren. Wenn kein Frost mehr herrscht oder es ein paar sonnige Tage gibt, dann wächst sie wieder gut. Was die Kresse nicht mag: Wenn es stark bewölkt oder gar neblig ist. "Da geht es der Kresse wie den Menschen: Sie hat keine Lust", erzählt Fischer.

Ende September begann die diesjährige Ernte, die Erträge waren bislang gut. Der Volkschor aus Sitzendorf war zum Auftakt dabei. Er hat der Brunnenkresse extra ein Lied gewidmet, nach der Melodie "Am Brunnen vor dem Tore".

An die letzte Saison 2011/2012 möchte Ralf Fischer am liebsten gar nicht mehr denken. "Die war total verkorkst", sagt der 60-Jährige. Zunächst kam es zur witterungsbedingten Wachstumsverzögerung, dann wurden die Pflanzen von einer durch Blattläuse übertragenen Krankheit erfasst. Wegen des Virenbefalls mussten sämtliche Pflanzen vernichtet, die gesamte Klinge gesäubert, jedes Stück Mauer und jedes Brett mit dem Kärcher gereinigt werden. Um sicher zu gehen, dass nichts zurückbleibt.

Das war im November und Dezember vergangenen Jahres. Selbst die Schwelgbretter das Werkzeug, um die Kresse unter Wasser zu drücken - "haben wir alle zersägt und wieder neu gemacht", beschreibt Ralf Fischer einen immensen Arbeitsaufwand. Die Jungpflanzen von außen zukaufen wollte er auch nicht. Es soll schon echte Erfurter Brunnenkresse sein. "Zum Glück hatte meine Mutter jedes Jahr Samen aus den Schoten gesammelt und auf Bettlaken getrocknet. Das war sehr mühevoll, aber ihr ganzer Stolz."

Der Samen wurde zur Gärtnerei Gloria in Hochheim gebracht. Dort machte gerade eine Enkeltochter von Ralf Fischer Praktikum, die die Kresse selbst ausgesät hat. Rund 7000 neue Pflänzchen wuchsen heran. Damit lebt die lange Tradition der Erfurter Brunnenkresse fort. Inzwischen ist jeder Trieb einzeln in die Klinge gesetzt und auch das Zertifikat als Bio-Kresse erneuert worden.

"Diese Zertifizierung und die Samenechtheit darauf legen wir großen Wert", meint Ralf Fischer und denkt an seine verstorbene Mutter Johanna. "Brunnenkresse war ihr Leben und ich will nun die Tradition fortsetzen." Wenn er die Pflanzen gut durch den Winter bringt und die Enten nicht dran kommen, setzt im Februar verstärktes Wachstum ein. Die Hauptschneidezeit fällt auf März und April. Nur 3 Kilo pro Quadratmeter kann man während einer Saison ernten, auch das macht Brunnenkresse so besonders.

Und weil der 60-Jährige gesundheitlich nicht gerade fit ist, hat er in Peter Bösel vom Schloss Tonndorf eine große Hilfe. Als Landschaftsarchitekt ist er ja auch fast vom Fach.

Über die Tradition

  •     Die Familie Johanna Fischers erntete schon Ende des 18. Jahrhunderts Brunnenkresse an der Silberhüttenquelle.
  •     Zu Ralf Fischers Geburt 1952 legte sein Vater die Klinge, wie das Wasserfeld heißt, so an, wie sie heute noch ist.
  •     Fischers sind die letzten in Erfurt, die nach der Methode von Gartenbaumeister Christian Reichart arbeiten.
  •     Anbaufläche: 500 qm.


Extra und nur für das Foto hat Ralf Fischer zu einem Schwelgbrett gegriffen, mit dem die Pflanzen in das 11,2 Grad warme Wasser gedrückt werden. Hund Biene beobachtet alles ganz genau. Foto: Susann Fromm

Wolf-Dieter Bose / 06.12.12 / TA

Kontakt: Gärtnerei Fischer

10.03.2015 von Thomas Hartmann

Extra und nur für das Foto hat Ralf Fischer zu einem Schwelgbrett gegriffen, mit dem die Pflanzen in das 11,2 Grad warme Wasser gedrückt werden. Hund Biene beobachtet alles ganz genau. Foto: Susann Fromm

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