Neues Leben im alten Hochheimer Schlösschen

Familie Kalkkuhl feiert nach zehnjähriger Renovioerungsarbeit Einweihung

Hochheim. Ins Schlösschen von Hochheim ist neues Leben eingekehrt. Das markante historische Gebäude in der Ortsmitte am Hochheimer Platz zeigt sich komplett umgebaut und renboviert und mit frischer Fassade.

Für Olaf Kalkkuhl und seine Frau Sabine endet eine abenteuerliche Zeit. Sie währte zehn Jahre und barg unzählige Herausforderungen.

Kalkkuhl schaut zurück: "Ich habe mich in das 200 Jahre alte Gebäude verguckt und es 2004 gekauft. Viele haben mich für verrückt erklärt. Es sah wild aus damals, vieles wirkte abrissreif. Aber ich hatte die Finanzierungszusage der Banken und viel Elan." Auf die Banken konnte er später nicht mehr bauen, Zusagen waren nichtig, die Bankenkrise machte inen Strich durch viele Rechnungen. Kalkkuhl und seine Frau haben auch ohne das Geld der Banken ihren Lebenstraum verwirklicht. Dafür bekamen sie andere Hilfe. "Der halbe Ort hat hier mitgebaut", sagt der heute 53-Jährige. Zahllose Handwerker aus Hochheim und den umliegenden Orten packten mit an, arbeiteten teilweise auch für kleines Geld oder ließen sich Rechnungen erst dann bezahlen, wenn wieder Geld da war.

Viele Handwerker aus dem Ort halfen

Zu ihnen gehörte Fliesenleger Peter Rost, der gleich nebenan wohnt. "Wir haben alle nicht lang gefragt", sagt er. "Dafür gibt es doch eine Gemeinschaft im Ort. Letztlich ist das Ganze doch wunderbar geworden." Olaf Kalkkuhl schaut sich um und sagt: "Hier ist alles Handarbeit." Gastraum und Wintergarten sind fertig, die alten Türen sind aufgearbeitet. Freundliche Farben zieren die Wände. Im Obergeschoss gibt es Pensionszimmer und Ferienwohnungen. Draußen wird im Frühling der Biergarten unter den alten Kastanien einladen.

Auch viele Freunde und Familienangehörige hätten in den vergangenen Jahren finanziell geholfen, erzählt Olaf Kalkkuhl. "Eigentlich gehört vielen von ihnen symbolisch wenigstens ein Tisch oder Stuhl:"

Das Eheparr, das eine kleine Firma für die Reparatur elektronischer Spielgeräte betreibt, hat für sein Großprojekt Versicherungen aufgelöst, Auto und Garten verkauft. "Zehn Jahre kein freies Wochenende, kaum Urlaub", erzählt er. Und hofft, dass sich der Aufwand gelohnt hat. "Es war schon immer ein Gasthaus und diese Tradition führen wir weiter."

Liebe zu Spanien spiegelt sich auch in der Küche

Im Erdgeschoss gibt es nun Café und Tapas-Bar. "Ich mag Spanien, habe seit vielen Jahren Kontakte dorthin. Es ist ein Land, in dem die Uhren anders gehen als hier, in dem Familie viel bedeutet"; sagt er. Zwei Köche aus Spanien hat er nach Hochheim geholt und ein mehrköpfiges Team für den Gastronomiebetrieb verpflichtet.

Gestern hatten Kalkkuhls viele Helfer eingeladen, um Danke zu sagen. Heute sind ab 15 Uhr vor allem die Hochheimer wilkommen. Ab Freitag soll das Schlösschen täglich ab 11 Uhr. "Mittags und Abends gibt es Tapas, nachmittags lädt das Café Edel ein", sagt er. Auch die frühere Tradition des "Windbeutel-Schlösschens" soll wieder aufleben, die legendären Windbeutel werden Bestandteil der Nachmittags-Karte sein.

Kalkkuhl bittet um Verständnis, wen es noch ein paar Anlaufschwierigkeitzen gibt. "Es muss sich alles erst einspielen, wir laufen uns warm."

"Zu DDR-Zeiten gab es im Schlösschen Disko und Blueskonzerte, die waren legendär", weiß Ortsbürgermeister Thomas Hartmann. "Es wäre schön, wenn das Schlösschen wieder über Hochheims Grenzen hinaus von sich reden machen könnte." Er sei froh, dass das Haus dank des Engagements vieler jetzt wieder geöffnet sei.

TA 06.11.2014 Birgit Kummer

15.12.2014 von Thomas Hartmann

Jetzt können Teofilo Jimeno Risneno, Jesus Castellanos Carmona, Olaf und Sabine Kalkkuhl loslegen.   Foto: Marco Schmidt

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