Geschichte

Der am 1. April 1938 nach Erfurt eingemeindete Ort liegt südwestlich von Erfurt am Westufer der Gera. Ob das im Güterverzeichnis des Erzbischofs Lullus von Mainz genannte Hohheim mit Hochheim bei Erfurt oder Hochheim bei Gotha gleichzusetzen ist, lässt sich nicht klären. Da Hochheim in Verbindung mit Frienstedt genannt wird, könnte an das Erfurter Hochheim gedacht werden. Auch das in der Urkunde Karls des Großen von 779 erwähnte Hochaim lässt sich nicht näher lokalisieren. In späteren Zeiten erscheint der Ort Hoycheym, Hoichheim, Hocheym, häufig als Veitshochheim und bisweilen als Bischofhochheim zum Unterschied von Kornhochheim. Mit diesem ist Hochheim wiederholt von der Forschung verwechselt worden.

Die Lehnsherrschaft stand dem Erzstift in Mainz zu. 1157 gewährte der Erzbischof seinen in Hochheim eingesessenen "homines familiae" Zollfreiheit in Erfurt für ihren Ein- und Verkauf zum eigenen Bedarf. Die dürftigen Unterlagen lassen kein klares Bild über die Lehns- und Besitzverhältnisse von Hochheim entstehen. Es scheint zahlreicher Besitz des Erzstiftes vorhanden gewesen zu sein: Einkünfte daraus enthalten die Aufzeichnungen des Schreibers Berthold von 1248/49 und die Aufstellungen des Küchenmeisters Hermann von Bibra von 1332. Lehnbesitz lässt sich unter einigen Anderen nachweisen für die Grafen von Gleichen (1315) und für den erzbischöflichen Dienstmann Heinrich von Meldingen, der mehrere Erfurter Bürger weiterbelehnte (1310). – Im Jahre 1366 verkauften die Geschwister von Halle das ererbte Fischwasser ober- und unterhalb von Hochheim an das Martinistift in Erfurt. 1357 belehnte der Erzbischof Gerlach den Erfurter Schultheißen Johann vom See mit der Wawetmühle unterhalb von Hochheim.

Der Rat zu Erfurt ist niemals im Besitz des Ortes Hochheim gewesen. Ein wiederholt erwähnter Erwerb im 15. Jahrhundert beruht auf einer Verwechselung mit Kornhochheim. Ebenso liegen keine urkundlichen Unterlagen vor, dass das in Hochheim unterhaltene erzbischöfliche Vorwerk in den Jahren 1255 bis 1256 in das Brühl von Erfurt (Mainzerhof) verlegt worden ist.

Die Gemeinde Hochheim hat sich seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhundert zur Vorortwohngemeinde gewandelt.

Der Ort zählte 1792 = 338, 1841 = 497, 1894 = 1241, 1928 = 2332, 1936 = 2750 Einwohner.

Heute leben in Hochheim insgesamt 2 687 Einwohner (Kommunalstatistisches Heft 72, Juni 2010) . Davon sind
männlich     1 324
weiblich      1 363
Ausländer        13
Einwohnerdichte (EW/km²)    946
Durchschnittsalter (Jahre)     46,8
Haushalte     987    (31.12.2007)


Zur Gemarkung Hochheim gehören Teile des Steigers und der ega. Neu hinzugekommen sind das Landesfunkhaus Thüringen des mdr und die Messe.

1994 wurde erstmalig wieder ein - ehrenamtlicher - Ortsbürgermeister gewählt. Heute leben in Hochheim ca. 2700 Menschen. Es gibt hier zwei Kindergärten, eine Grund- und eine Regelschule.

Die Kirchengemeinden sind sehr aktiv, evangelische und katholische Christen beeinflussen das Leben im Ort spürbar. Der Traditionsverein unter Leitung von Karin Herrling sorgt seit Jahren dafür, dass Hochheim seine eigene Identität wiedergewinnt. Der Verein organisierte unter anderem die ökumenische Kirmes und tolle Faschingsfeiern.

Historie in Zahlen

779
Erste schriftliche Erwähnung des Ortes Hochheim als Königsgut.
1123
Die Leibeigenschaft wird in Hochheim aufgehoben.
1157
Die Befreiung vom Städtischen Zoll wird in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold von Mainz bestätigt.
1256
Das Mainzer Vorwerk, das sich in Hochheim befindet, wird vermutlich in das Brühl verlegt.
1309
Der Thüringer Landgraf Friedrich I. schlägt in einer Fehde mit der Stadt Erfurt bei Hochheim sein Lager auf.
1332
Hochheim wird in der Falkenstein-Chronik erwähnt.
1385
Der Graf von Tonna wird vom Mainzer Erzbischof Johann mit dem Hause Gleichen und Hochheimer Gütern und der Hochheimer Halsgerichtsbarkeit belehnt.
1494
Die Weiderechte der Hochheimer im Steiger werden in einer Urkunde bestätigt.
1587
Die Jesuitenpatres Schilling, Zartberg und Mangold predigen in Hochheim.
1632-1635
Hochheim gehört infolge der Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges zu Erfurt.
1633
In Hochheim wird ein protestantischer Gottesdienst durch den Prediger Wallenberg gehalten.
1634
Der Rat der Stadt Erfurt droht das Dorf Hochheim samt der Kirche niederzureißen, weil die Hochheimer katholisch bleiben wollten.
1635
Der katholische Gottesdienst wird wieder eingerichtet und der protestantische Prediger abberufen.
1650
Ein gründlicher Umbau der Kirche ist notwendig geworden.
1651
Auf den Turm wird ein neuer Helm aufgesetzt.
1656
Die Kirche wird von Weihbischof Barthold Niehus konsekriert.
1682-1683
Die Pest wütet, an der in Erfurt 940 und auf dem Lande 806 Menschen starben. In dieser Zeit durfte kein Städter aufs Land und keiner vom Lande in die Stadt. Zu dieser Seuche kam in Hochheim eine Hungersnot. Die Bischlebener halfen und legten täglich an der Ortsgrenze Nahrungsmittel nieder.
1710
Hochheim wird von einem schweren Brandunglück heimgesucht; 24 Häuser, 9 Scheunen und 17 Ställe werden vernichtet. Dabei verbrennt auch das Dorfarchiv!
1724-1731
Es findet ein Erweiterungsbau der Kirche statt. Sie wird nach dem Turm hin verlängert und ein neuer Turm wird gebaut.
10. Juni 1731
Die neue Kirche wird durch Weihbischof Christoph Ignatz von Gudenus feierlich geweiht.
1737
Hochheim wird selbständige Pfarrei.
1750
Das ganze Sommer- und Winterfeld verhagelt.
1752
Die Gera tritt über die Ufer und überschwemmt die Bachstraße.
1752
Der schon wieder baufällig gewordene Kirchturm wird abgetragen und mit dem Bau eines neuen Kirchturmes begonnen der 1756 beendet wird.
1756-1763
Während des Siebenjährigen Krieges sind oft Einquartierungen, so dass Hochheim verschuldet ist und von 1758-1761 die Braurechte verpachtet.
1760
Das Marienbild der Hochheimer Kapelle wird aus Willroda - dorthin war es aus Bechstedt-Wagd gekommen - nach Hochheim überführt.
1763
Es wird ein Küsterhaus gebaut, das bis 1991 als Schule dient.
27. Mai 1767
Die Hochheimer Flur wird völlig verhagelt. Daraufhin wird das Hagelamt eingeführt.
1774
Die Marienkapelle wird gebaut.
1777
Der Erzbischof von Mainz kommt zum letzten Mal als geistlicher und weltlicher Herr nach Hochheim.
1787
Die Kirche wird durch den Maler Lambert Stöhr ausgemalt.
1787-1788
Das Gasthaus "Grünes Tal" wird gebaut.
1802
Hochheim kommt zu Preußen und hört damit auf, Mainzer Küchendorf zu sein.
1843
Das Brauhaus wird abgerissen und die Braupfanne an einen Kupferschmied verkauft.
1847
Die Eisenbahn durchfährt zum ersten Mal die Hochheimer Flur.
1848-1852
Die Straße, die von Erfurt nach Hochheim führt (Cyriakstraße, Winzerstraße, Wagdstraße) wird als befestigte Straße angelegt.
1883
Die evangelische Kirche wird gebaut.
1897
Eine Postagentur wird eröffnet. Seit 1905 befindet sich das Postamt in der Poststraße (das Postamt wurde 1995 geschlossen).
1898
Das neue katholische Pfarramt wird gebaut.
1908
Der Friedhof auf dem Berg wird eingeweiht.
1909
Das Schwesternhaus wird seiner Bestimmung übergeben.
1912-1913
Ein neues Küsterhaus wird gebaut.
1929
Die Kirche wird gründlich renoviert.
01.04.1938
Hochheim wird durch Eingemeindung ein Ortsteil der Stadt Erfurt
1945
Die Hochheimer Pfarrei wird von Jesuiten übernommen.
1949
Der Korpus des Wegkreuzes "Am Hochheimer Platz" wird gestohlen und in Bischleben auf dem Müllhaufen wieder gefunden.
1954
Drei neue Glocken werden angeschafft, nachdem die alten Glocken im Kriege eingeschmolzen wurden.
1958
Der katholische Kindergarten wird erweitert.
1958
Im Pfarrhaus wird das Noviziat und Studienhaus der Jesuiten untergebracht.
1970-1971
Das Innere der Kirche wird völlig umgestaltet und am 12.6.1971 wird der Altar durch Bischof Hugo Aufderbeck konsekriert.
1977
Die "Grauen Schwestern" verlassen Hochheim altersbedingt.
14. Jun 81
Die Gemeinde feiert das 250. Kirchweih-Jubiläum.
1991
Der katholische Kindergarten wird umgebaut, die alte Kohleheizung wird gegen eine moderne Erdgasheizung ausgetauscht, der dadurch freigewordene Heizraum wird zur Küche für den Kindergarten umgebaut.
1994
Die alte Schule am Angerberg wird zum Bürgerhaus umgebaut.
1997
Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen werden die Kindergartenräume als zu klein eingestuft. Durch einen erneuten An- und Umbau erhält der katholische Kindergarten einen großen Mehrzweckraum, der die neu aufgeteilten Gruppenräume, die Küche und die Waschräume miteinander verbindet.
1997
Der Bischof Dr. Joachim Wanke nimmt an einer gemeinsamen Sitzung des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes teil und erteilt dem Kindergarten seinen bischöflichen Segen.
2001
Das Ökumenische Wegekreuz auf den Lösern wird durch Pfarrer Ansgar Pohlmann und Pastor Ernst-Michael Gohles geweiht. Es steht als Mahnung für Opfer von Krieg und Gewalt.
2001
Das seit 1945 bestehende Ordenshaus der Jesuiten wird aufgelöst und die Pfarrei wird wieder von einem Diözesanpfarrer, Herrn Gert Schellhorn, übernommen.
2006
Die katholische Kirche erhält neue Glocken.
30.04.2007
Das Kurhaus, eines der Wahrzeichen von Hochheim, brennt.
2008
Die katholische Gemeinde weiht ihr neu errichtetes Gemeindehaus feierlich ein.

Ein Teil der Daten wurde freundlicherweise von Herrn Manfred Sommer zur Vergfügung gestellt .


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