Schüler im Gebreite und in Hochheim lernen in Containern

Wie lange dieses Provisorium bestehen bleibt, ist derzeit unklar. Kosten pro Container: 200 000 Euro

Bild: In diesen beiden Containern werden ab Mitte Januar Kinder unterrichtet. Eine direkte Verbindung zum Schulgebäude wird es nicht geben. Foto: Casjen Carl

Erfurt. Für Aufsehen bei Schülern, Lehrern und Anwohnern sorgte gestern der Kran auf dem Gelände der Christian-Reichart-Schule im Gebreite. Er setzte zwei Container neben der Schule ab, hier soll ab Mitte Januar der Unterricht stattfinden.

"Es handelt sich bei der Anlage um zwei Unterrichtsräume von etwa 55 Quadratmetern", sagt Stadtsprecherin Wenke Ehrt. "Darin können jeweils 24 Schüler untergebracht werden."

Auch in der Grundschule in Hochheim wird in Kürze erstmals in Containern unterrichtet werden. Diese waren bereits im November aufgestellt worden.
"Die Container in Hochheim sind voraussichtlich ab der 51. Kalenderwoche nutzbar", sagt Wenke Ehrt. Das würde bedeuten, dass in den letztem vier Tagen vor den Weihnachtsferien das Raumsystem an der Schule verändert werde – eine Umstellung für Lehrer und Schüler.

Bereits im Juli hatte der Finanzausschuss die Anschaffung der Container genehmigt. Jeder Container kostet rund 200 000 Euro. "Sie können keine Dauerlösung sein", sagte damals Wolfgang Metz (SPD) vom Finanzausschuss. "Sie lösen das Problem nicht, aber sie können Spitzen abfangen." Gut angelegt sei das Geld in jedem Fall, so Wolfgang Metz. Denn die Modulbauten könnten umgesetzt werden und seien auch als Ausweichstandort für Sanierungsmaßnahmen geeignet. Derzeit hat der Südwesten der Stadt die größten Platzprobleme. Neue Wohngebiete, stetig wachsende Einwohnerzahlen und somit steigende Schülerzahlen lassen es recht eng werden in den Bildungseinrichtungen.

Die zwei neuen Klassenräume im Gebreite sind "keine Kapazitätserweiterung, sondern nur für das Nötigste", sagt Schulleiter Thomas Hofmann auf Anfrage unserer Zeitung. Sie würden jedoch die Möglichkeit eröffnen, im Hort anders arbeiten zu können und entsprechende Angebote zu machen. So zieht eine Klasse aus dem Hortgebäude in den Container, damit wird ein Raum frei, der beispielsweise für kleine Gruppenarbeit, den Religionsunterricht oder zum Ausweichen genutzt werden kann.

Turnraum war umfunktioniert worden

Die andere Klasse war bisher im Turnraum, der bis zum vergangenen Schuljahr für den Sportunterricht genutzt wurde. Doch weil es schlicht keinen Raum mehr gab, war er zum Klassenraum umfunktioniert worden.

Nun hatte die Schule keine Möglichkeit mehr für Innen-Sportunterricht – also mussten die Schüler mit dem Bus nach Hochheim gefahren werden. "Das wird auch weiterhin so sein", sagt Thomas Hofmann. Zwar zieht die Klasse aus dem Turnraum in den Container, doch für den Sportunterricht wird dieser dennoch nicht genutzt. "Es ist geplant, dass die Sporthalle in Hochheim im kompletten Schuljahr 2016/17 durch die Grundschule 19 mitgenutzt wird. Für das kommende Schuljahr wird anhand der Schülerentwicklung neu entschieden", sagt Wenke Ehrt.

Derzeit gleicht das Gelände um die Container, die ein Vordach besitzen, aber nicht direkt mit dem Schulgebäude verbunden sind, einer großen Baustelle. Der Spielplatz kann nur teilweise genutzt werden, die Freiflächen müssen erst wieder hergestellt, die extra provisorisch angelegte Baustellenzufahrt beseitigt werden. Auch in den Containern sind noch zahlreiche Arbeiten notwendig.

Wie lange die Container-Variante gelten soll, ist nicht sicher. "An beiden Schulstandorten werden die Container bis zur Realisierung der geplanten Neubaumaßnahmen benötigt. Zur Zeit sind keine Terminangaben möglich", sagt Wenke Ehrt.

Die Grundschule im Gebreite steht mit hoher Dringlichkeit (Rang 3) auf der Liste für das Förderprogramm des Landes. Geplant sind Neubau und Erweiterung von acht Klassenräumen und einer Mehrzweckhalle.

Die Grundschulen im Gebreite und in Hochheim sind die ersten beiden Schulen in Erfurt, in denen Unterricht auch in Containern stattfindet.

Schon seit langem warnt die Kreiselternvertretung vor akutem Raummangel. "Noch gibt es für jedes Kind einen Platz in einer Erfurter Schule. Spätestens 2018 wird das System, so wie es jetzt ist, nicht mehr funktionieren. Nicht nur in Grund- und Regelschulen, auch in den Gymnasien werden wir arge Probleme bekommen", sagte Kreiselternsprecher Guido Vogel kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die einzige Alternative ist: Es müssen neue Schulen gebaut werden."

Anja Derowski / 16.12.16

16.01.2017 von Thomas Hartmann

Schüler im Gebreite und in Hochheim lernen in Containern

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