Neue Auslegung eines Beschlusses: Becken im Erfurter Dreienbrunnenbad ist gerettet

Aus Sicht der Hochheimer, der Nutzer des Freibades und vor allem der Vereinsmitglieder ist der heutige Artikel in der TA und TLZ ein richtiger Erfolg. Nach jahrelangem Engagement unseres Fördervereins Dreienbrunnenbad e.V. scheint sich der Aufwand nun gelohnt zu haben. Allerdings steht der Verein nun auch vor der Aufgabe, in der nächsten Zeit sein Engagement zu erhöhen, eine Planung und Ideensammlung vorzulegen und weiter das Bad durch Arbeiten am Objekt zu unterstützen.

Heute titelten die Zeitungen:

Neue Auslegung eines Beschlusses: Becken im Erfurter Dreienbrunnenbad ist gerettet

Dabei hat die vom Stadtrat geforderte Bürgerbeteiligung noch gar nicht begonnen. Jetzt stellt sich die Frage, ob der Aufwand überhaupt nötig ist

Bild: Bei der Bädertour besichtigten Stadträte im September das Dreienbrunnenbad. Im April fassten sie einen Beschluss, das Bad mit seinem Becken zu erhalten. Was sich allerdings erst jetzt herausstellt. Foto: Susann Fromm

Erfurt. Noch bevor die vom Stadtrat beschlossene Bürgerbeteiligung zum Bäderkonzept überhaupt begonnen hat, scheint das Dreienbrunnenbad gerettet. Der Stadtrat habe aus heutiger Sicht im April beschlossen, dass das Bad mitsamt seines Sportbeckens erhalten werden soll, bestätigten gestern die zuständige Dezernentin Kathrin Hoyer (Grüne) und die SPD-Stadträtin Cornelia Klisch.

Im April ließ der Beschluss noch alle Interpretationen offen. Das Dreienbrunnenbad sollte zwar als Bad erhalten werden, wie ein rot-rot-grüner Änderungsantrag besagte. Doch konnte Bad alles heißen auch ein Flussbad ist schließlich ein Bad. Genaueres sollten die Bürger entscheiden, hieß es.

Nach Rücksprache mit den Fraktionen wurde mir aber gesagt, dass mit der Formulierung tatsächlich ein Freibad mit Becken gemeint war, sagte Dezernentin Hoyer gestern. Allerdings wolle sie nun der ebenfalls beschlossenen Bürgerbeteiligung nicht vorweggreifen.

Klisch bestätigte hingegen, dass die Interpretation des Bad-Begriffes im April noch weniger eindeutig gewesen sei. Auch ein Naturbadbecken mit Filterbeet oder eine Flussschleife seien denkbar gewesen. Inzwischen hätten sich diese theoretisch kostensparenden Varianten aber als nicht realisierbar herausgestellt.

Besagt also der Beschluss, dass das Becken erhalten bleibt, wie Hoyer meint? So sehe ich das auch, sagt Klisch. Der Ersatz des maroden Beton- und Folienbeckens durch ein Edelstahlbecken wäre langfristig wohl die beste Variante.

Klisch sieht auch unter dieser Voraussetzung Möglichkeiten, Geld zu sparen. Die SWE Bäder GmbH hatte für eine Sanierung über drei Millionen Euro veranschlagt. Eine Aufschlüsselung der Kostenpositionen und eine schrittweise Sanierung, Verzicht auf einzelne Maßnahmen sowie Vereins- oder Privatengagement könnten die Rechnung günstiger machen.

Das Bad könnte mehr sein als ein Sommerfreibad, sagt Klisch zudem. Gastronomie, Kultur und Freizeitangebote durch Privatinvestoren könnten die Einnahmen und zugleich den Freizeitwert erhöhen.

Dass es für solche Absichten eine Bürgerbeteiligung braucht, erschließt sich jedoch nicht so ganz auf dem ersten Blick. Vieles an Kommunikation ist in den letzten Wochen nachgeholt worden, sagt auch Klisch. Wenn wir von vornherein schon an dem Punkt gewesen wären, wo wir heute sind, wäre der Antrag vielleicht anders ausgefallen. Man müsse sich nun fragen, was mit den Bürgern noch zu klären wäre und welcher Aufwand dafür nötig sei.

Tatsächlich fällt es der Verwaltung auch sechs Wochen nach dem Beschluss schwer, mehr als einen Zeitplan für die Bürgerbeteiligung zu nennen. Ende August sollen Bürgerversammlungen stattfinden, bei denen das Bäderkonzept insgesamt vorgestellt wird, so Hoyer.

Mit Hilfe der dort erfahrenen Anregungen würden dann Fragen formuliert, die Ende September bei einer repräsentativen Haushaltsbefragung gestellt würden. Bei der Formulierung könnten externe Fachleute für solche Prozesse helfen. Ende Oktober werden wir aussagekräftig sein, sagt Hoyer. Das ist auch die Zeit, bis zu der die Landesanstalt für Umwelt und Geologie für ihre Planung am Papierwehr wissen muss, ob das Becken nun bleibt oder nicht.

Doch sollten die Erfurter nicht plötzlich eine heftige Abneigung gegen ihr Dreienbrunnenbad entwickeln, ist die Frage schon beantwortet.

Holger Wetzel / 10.06.16 / TA

10.06.2016 von Thomas Hartmann

Bädertour der Stadträte im September im Dreienbrunnenbad

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