„Dreier“ droht das Aus als Freibad

Die Tage des Dreienbrunnenbads sind wohl gezählt. Laut Plan der Stadt soll Baden dort bald an der Flussschleife möglich sein. Für das Möbisburger Bad gibt es dagegen Sanierungspläne.

Die Tage des Dreienbrunnenbads sind wohl gezählt. Foto: Hartmut Schwarz

Bild: Die Tage des Dreienbrunnenbads sind wohl gezählt. Foto: Hartmut Schwarz

Erfurt. Dem Dreienbrunnenbad droht einmal mehr das Ende: Die Saison 2016 könnte nach Vorstellungen der Stadtverwaltung im 113. Jahr des Freibades wohl dessen letzte werden – wenn der im Rathaus zum „Erfurter Bäderkonzept“ vorgelegte Beschlussvorschlag eine mehrheitliche Zustimmung im Stadtrat findet. In der Sitzung am 27. April soll das Konzept auf die Tagesordnung.

Elf Varianten einer künftigen Erfurter Bäderlandschaft wurden für das 60-seitige Papier geprüft, mögliche Pläne an die aktuelleste Bevölkerungsprognose angepasst. Erfurt wächst, damit schließlich auch der Bedarf an Wasserfläche. Noch, so sagte Beigeordnete Kathrin Hoyer, sei nichts entschieden, sehr wohl gebe es aber einen favorisierten Verwaltungsvorschlag. Es ist mit einer Investition von drei Millionen Euro die günstigste, die „Maximalvariante“ wird auf knapp 14 Millionen Euro geschätzt.

Favorit der Verwaltung ist folgende Variante: Das Freibad Möbisburg wird ertüchtigt und als Angebot im Erfurter Süden erhalten. Das „Dreier“ wird als Freibad aufgegeben, seine Gebäude bleiben aber erhalten, umgeben von einer naturnah gestalteten Fischtreppe: Ein Flussarm der Gera soll über das heutige Freibadgelände geführt werden, neben dem Sonnenbad auch ein Bad im Flusswasser möglich sein – „auf eigene Gefahr“. Ein Café mit Park und Liegewiese könnte entstehen. Zustimmung in Möbisburg, Ablehnung in Hochheim habe es dazu gegeben, berichtet Hoyer aus ihren in dieser Woche geführten Gesprächen mit den jeweiligen Fördervereinen.

Eine vor allem für den Erfurter Schul- und Vereinssport dringend benötigte dritte Schwimmhalle soll frühestens nach 2022 entstehen, ohne dass dafür bereits ein Standort festgelegt wird. Schritt für Schritt und Euro für Euro soll das Bäderkonzept umgesetzt werden, auch um die Stadtwerke bei den anstehenden Investitionen nicht zu überfordern. Die betreiben die Erfurter Bäder, bekommen per Leistungsvertrag 4,2 Millionen Euro aus der Stadtkasse für den Schul- und Vereinssport – mehr sei angesichts der aktuellen Haushaltslage der Stadt nicht drin. Von einem Anbau an die Roland-Matthes-Schwimmhalle, der vor Monaten noch als mögliche Option galt, ist man im Konzept abgerückt: Die angrenzende Wohnbebauung und der Emissionsschutz stünden einer solchen Erweiterung entgegen, so Hoyer.

Die Zeit drängt, so die Umweltbeigeordnete: Denn das Wehr am Dreienbrunnenbad sei dringend sanierungsbedürftig, auch aus Gründen des Hochwasserschutzes. Und die TLUG (Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie) fordere ein Erfurter Votum spätestens bis Jahresmitte: Sie müsse wissen, ob im Rahmen der Wehr-Sanierung ein schlichtes Betonbauwerk mit Fischtreppe nach Anforderungen der Europa-Verordnung gebaut werden soll oder die Flussschleife. In beiden Versionen müsse die Ufermauer angefasst werden, so Hoyer: Mit unabwägbaren Folgen für das unmittelbar anliegende Becken im Dreier. Viele Details, baulich und auch was die Kosten angeht, seien noch zu klären, sagt Hoyer. Fest stehe jedoch wohl schon, dass der Protest gegen eine Schließung des Dreienbrunnenbades als Freibad ein großer sein werde.

Frank Karmeyer / 09.04.16 / TLZ

19.04.2016 von Thomas Hartmann

Die Tage des Dreienbrunnenbads sind wohl gezählt. Foto: Hartmut Schwarz

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