2012-05-31_TA Lösung nicht in Sicht

Lösung nicht in Sicht

Am Bache in Hochheim besteht das Problem des zu hohen Grundwasserspiegels weiter. Anwohner haben in Eigenleistung für Entwässerungsgraben gesorgt

Von Hartmut Schwarz

Hochheim. Dass Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) im Vorfeld der Wahlen von Protesten der Hochheimer vor dem Rathaus verschont blieb, hat er dem schneearmen Winter zu verdanken. Ohne diesen wäre ein Teil von Hochheim wieder abgesoffen. Dazu kommen der trockenste Herbst, der seit 100 Jahren in Hochheim registriert wurde, und heiße vorsommerliche Tage. Ohne diese drei Glücksfälle hätte die Straße Am Bache wieder unter Wasser gestanden, wären die Keller der Anlieger gewiss vollgelaufen.
     Das Versprechen des Oberbürgermeisters, das seit der Kanalisierung alljährlich in die Keller steigende Grundwasser in den Griff zu bekommen, konnte nur zum Teil erfüllt werden. Durch die Säuberung und „Tieferlegung” des Mühlgrabens gehören zumindest in diesem Bereich des Ortes vollgelaufene Keller der Vergangenheit an. Am Bache allerdings würden der Stadt die Eigentumsverhältnisse die Hände binden. Dort müsse im privaten Gelände für Ablauf gesorgt werden - womit das Problem wieder auf die lange Bank geschoben wurde.
     Gestern wurde mit einigen Baggerschaufeln wieder an die feuchten Keller erinnert. Als für das Wohnheim der Lebenshilfe ein Graben für den Abwasserkanal gebuddelt wurde, stieß man in 1,20 Meter bereits auf Grundwasser. Laut Anett Skrippek von der Am Bache liegenden Glaserei Birnstiel wäre man ohne die Eigeninitiative der Anlieger noch viel früher fündig geworden, hätte der Bau des Wohnheimes wahrscheinlich mit größeren Problemen kämpfen müssen. Denn die Anwohner hatten zusammengelegt und für etwa 1300 Euro selbst einen Entlastungsgraben aus der Straße in Richtung Gera gezogen. Durch den es seitdem ununterbrochen munter plätschert. In Absprache mit dem Eigentümer der Fläche (die durch das Grundwasser inzwischen zum Sumpfland wurde), wurde ein zum Teil offener und drainagierter Graben gezogen, der ebenfalls in Eigeninitiative auch gepflegt wird.
     Das Problem mit dem Grundwasser sei durchaus bekannt gewesen, bestätigt Uwe Kintscher, der Vorstandsvorsitzende der Erfurter Lebenshilfe. Deshalb wurde auch auf einen Keller verzichtet und die Fundamentplatte über das Niveau der Straße gebaut. Dass nicht Am Bache, sondern eigentlich Im Bache gebaut wird, wurde erstmals richtig bewusst, als es für den Fahrstuhl etwas tiefer in die Erde ging. Ohne Pumpen ging nichts mehr. Eine Situation, die die betroffenen Hochheimer aus ihren Kellern kennen. Eine Situation, mit der sie sich noch lange begnügen müssen.
     Zwar wurde die Stadt mehrfach verklagt, sie habe in voller Kenntnis der Folgen und ohne Alternativen durch den Kanalbau den Grundwasserabfluss blockiert. Bis darüber entschieden werde, werden allerdings noch Jahre vergehen.
     Denn die Zuständigkeit der Stadt beschränke sich in Hochheim lediglich auf das Gewässer 2. Ordnung, das instandgesetzt wurde, erklärt Jörg Lummitsch, Leiter des Erfurter Umwelt- und Naturschutzamtes. Das Grundwasser unter den naturgegebenen Stand abzusenken, gehöre nicht zu ihren Aufgaben. Dazu käme, dass alle dafür notwendigen Gräben und Drainagen über private Gelände führen müssten.
     Unter dem Strich bleiben die Hochheimer Am Bache auf sich gestellt - in der Hoffnung, dass ihre Klage eine Entscheidung bringt. Und alle hoffen, dass es in dieser Zeit in Hochheim weder regnet noch schneit.

Bild: In Eigeninitiative haben die Anwohner am Bache einen Kanal gegraben, der das Grundwasser kontinuierlich abfließen lässt. Foto: Hartmut Schwarz

01.06.2012 von Thomas Hartmann

2012-05-31_TA Grundwasser Am Bache

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