2012-05-26_TA Einsatz für die kleinen Bäder

Einsatz für die kleinen Bäder

Die Freibäder in Hochheim und Möbisburg heben jeweils nur bis 2014 eine Betriebserlaubnis. Stadtwerke gehen jedoch von Fortführung aus. Förderverein engagiert sich seit November an der Seite des kommunalen Tochterunternehmens. Niedrigkostenvariante soll Überleben sichern.

Von Ulrike Kaliner
Erfurt. Ringen um eine Zukunft: Für den Erhalt des Freibades in Möbisburg und des historischen Dreienbrunnenbades setzen die Stadtwerke auf eine Niedrigkosten-Lösung sowie freiwilliges Engagement. Die Betriebserlaubnis für beide Anlagen läuft Ende des Jahres 2014 aus. „Wir gehen aber davon aus, dass wir die Bäder über diesen Termin hinaus weiter betreiben können“, sagte der Geschäftsführer der SWE Bäder GmbH, Mirko Utecht.
      Der angedachte Bau einer dritten Schwimmhalle im Norden stehe dem Überleben der kleinen Freibäder grundsätzlich nicht entgegen. Entscheidend ist laut Utecht eher, wie lang sich das Dreienbrunnen- und das Möbisburger Bad mit der Niedrigkosten-Variante betreiben lassen. „Das heißt, wir wollen mit möglichst wenig Mitteln, die durchaus im sechsstelligen Bereich liegen, Bestand und Betrieb sichern“, erklärte der Geschäftsführer. Ein zweites und drittes Nordbad werde es in Möbisburg und Hochheim nicht geben.
      Bei Arbeitseinsätzen, Veranstaltungen und kleineren Investitionen helfen in Möbisburg- Rhoda bereits etliche Freiwillige. Sie haben sich im November 2011 in einem Förderverein zusammengeschlossen, nachdem einige Menschen aus dem Ortsteil schon in den Vorjahren für den Erhalt des Bades eingetreten waren. „Wir sind von der Phase des Forderns in die des Förderns übergegangen“, berichtete der Vereinsvorsitzende Rainer Schrader. Die rund 25 Mitglieder wollen für das Bad werben und Sponsoren vermitteln - beispielsweise für Grünflächen. Ihre Vision: Eines Tages verfügt das Bad dank Solarthermie über erwärmtes Wasser. Dazu sollten ebenfalls Sponsoren gewonnen werden, so Schrader. Er sieht die Aufgabe des Vereins auch darin, den Betreiber zu motivieren, an dem Freibad festzuhalten.

Für das „Dreier“ müssten rund 330 000 Euro fließen

Für die Möbisburger Anlage sieht die Niedrigkosten-Variante Investitionen in Höhe von 60 000 Euro vor. Eine größere Umgestaltung würde hingegen laut aktuellem Bäderkonzept der Stadt zwei bis vier Millionen Euro kosten.
      Das Dreienbrunnenbad, unter Erfurtern auch als „Dreier“ bekannt, stammt aus dem Jahr 1903. Damit das Becken und die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude die kommenden fünf Jahre überstehen, sind 150 000 Euro nötig. Das Bäderkonzept benennt vier wesentliche Maßnahmen: Austausch der 20 Jahre alten Beckenfolie, Neubau eines Geländers, Stabilisierung der Stützwand zum Gera-Wehr und Sanierung der Bausubstanz. „Ein Planungsbüro führt eine Varianten-Untersuchung zur Beckenauskleidung durch. Sie wird Mitte bis Ende Juli abgeschlossen sein“, berichtete Utecht. Vom Ergebnis hängt ab, wann das Bad eine neue Beckenfolie erhält.
      Soll das Dreienbrunnenbad über 2015 hinaus weiter bestehen, müssen voraussichtlich weitere 180 000 Euro in die Sanierung fließen. Bürgerschaftliches Engagement kann dabei hilfreich sein, weiß Geschäftsführer Utecht. Seit dem vergangenen Jahr führt die SWE Bäder GmbH deshalb Gespräche mit dem Hochheimer Ortsteilbürgermeister, um das ehrenamtliche Engagement auch für das „Dreier“ wieder zu beleben.

Betriebskosten und Besucherzahlen

  • Betrieb und Sanierung des Dreienbrunnenbades kosteten im Jahr 2010 rund 120 500 Euro.
  • Der Erlös des Bades betrug im selben Jahr 29 000 Euro.
  • Knapp 14 000 Besucher planschten 2010 im Dreienbrunnenbad, im Jahr 2011 waren es 9500.
  • Im Freibad Möbisburg beliefen sich die Betriebsund Sanierungskosten 2010 auf 124 700 Euro.
  • In dem Bad wurden in dem Zeitraum knapp 32 700 Euro erlöst.
  • Die Stadtwerke zählten 2010 etwa 17 200 Gäste. Im vergangenen Jahr kamen 8750 Besucher.

Fotos: Das „Dreier“, im Bild Objektleiter Christian Messerer, spricht mit Nostalgie-Charme, erfrischend kaltem Brunnenwasser und FKK-Liegefläche eine andere Zielgruppe als das Nordbad an. Foto: Marco Schmidt
Objektleiter Simeon Wenkel-Grünberg (links) bekam beim Frühjahrsputz in Möbisburg Hilfe vom Förderverein. Foto: Stadtwerke

Mehr zu Bädern in Thüringen: www.thueringerallgemeine.de/freibad     www.dreienbrunnenbad.de  

01.06.2012 von Thomas Hartmann

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