2009-06-15_TA Zwischen Moor und Urwald

Zwischen Moor und Urwald

Beim Tag der offenen Gärten bekamen die Gäste auch in Schmira und HochheimErstaunliches zu sehen

Der Tag der Offenen Gärten ist bei Naturliebhabern seit 2003 ein fester Termin. Und wie all die Jahre zuvor kommen die Besucher in Scharen und oft aus dem Staunen einfach nicht heraus.

Von Michael Keller

ERFURT. Bei Frieder Jäpel in der Breiten Straße in Schmira herrschte gestern Hochbetrieb. Kurz vor 12 Uhr rückt ein Fahrradpulk von gut und gern 30 Gartenfreunden an. Aber der 65-Jährige ist nicht aus der Ruhe zu bringen, erklärt geduldig und stolz den Gästen, was er sich da für ein ganz besonderes Reich geschaffen hat. Bei Familie Jäpel findet man nämlich etwas, was man in der Stadt nie vermutet hätte - ein hauseigenes, selbst angelegtes Moor. Frieder Jäpel und seine Frau Christina haben beide in der Ingenieurschule für Gartenbau in der Leipziger Straße studiert. Der Grundstein zum gärtnerischen Erfolg. Davon profitieren heute beide, was dem Garten auf den ersten Blick anzusehen ist. Vor sechs Jahren ging das Ehepaar an die Umgestaltung. Ein parkähnlicher Garten sollte es werden. Heraus kam ein Schmuckstück, wie man es gar selten zu Gesicht bekommt. Und genau für solche gärtnerischen Kleinodien ist der Tag der offenen Gärten gemacht. Bei Jäpels waren auf rund 100 mý Moorlandschaft 60 verschiedene Pflanzenarten zu bestaunen, liebevoll arrangiert, aufopferungsvoll und täglich gepflegt und mit Regenwasser getränkt. Und das Refugium ist noch lange nicht am Ende. Denn immer wenn die Jäpels in Europa Urlaub machen, haben die beiden Schmiraer auf der Rückfahrt stets Neulinge im Gepäck.

Auch bei Horst Eichhorn in der Winzerstraße in Hochheim gibt es etwas, was man hier kaum vermutet - einen privatebn Urwald auf 50 m². 180 Orchideenarten und 400 Bromeliensorten fühlen sich in dem feuchten Klima des riesigen Gewächshauses in der "Mundo Maya"-Welt richtig wohl und danken es mit prächtigen Blüten und reichlich Ablegern.

Schuld daran ist die iga. 1962, zur ersten Gartenbauaustellung, bekam der heute 64-jährige eine Orchidee geschenkt. Beginn einer langen, immerwährenden Leidenschaft. Fünf Mal hat sich Eichhorn die Heimat seiner Lieblinge, den Urwald in Nord-, Mittel- und Südamerika selbst angesehen, dort Messungen vorgenommen, um seinen Exponaten zu Hause das optimale Klima anbieten zu können. Mit Erfolg. "Ich pflege Pflanzen aus Urwäldern, die es heute schon nicht mehr gibt", sagt er stolz. Und setzt sich zu Belohnung jeden Abend zur "blauen Stunde" in seine private Urwaldwelt, um bei Dschungelgeräuschen vom Band seine Gedanken schweifen zu lassen.

Die schönsten Fotos der Offenen Gärten finden Sie auf der TA-Internetseite unter 
http://www.thueringer-allgemeine.de/erfurt

22.01.2010 von Thomas Hartmann

Urwald in Hochheim

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