2007-05-02_TA Wahrzeichen in Flammen

Wahrzeichen in Flammen

Ein Großfeuer wütete in der Nacht zum Montag im einstigen Hochheimer Kurhaus am Rande des Steigerwaldes. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Brandstiftung.

HOCHHEIM. Als Ortsbürgermeister Thomas Hartmann kurz vor Mitternacht das Geheul der Feuerwehr hört, dachte er erst, dass irgendwelche bösen Buben vorfristig den Holzberg für das Maifeuer entzündet haben. Doch beim Blick aus dem Fenster nahm er einen großen Feuerschein an ganz anderer Stelle wahr. Die Nacht wurde auch für ihn eine kurze.
Punkt 23.38 Uhr ging in der Rettungsleitstelle der erste Notruf ein. „Ein Mann aus Hochheim meldete einen Brand und sprach von einem massiven Ausmaß“, schilderte Erfurts amtierender Feuerwehrchef Manfred Schmidt. Nur eine Minute später habe der Löschzug das Gefahrenschutzzentrum verlassen. Zeitgleich waren die zweite Wache der Berufsfeuerwehr in der Haarbergstraße und die freiwilligen Kräfte von Hochheim alarmiert worden, ein Stück später auch noch die Möbisburger Wehr, die ein Löschfahrzeug in den Nachbarstadtteil schickte.
Ingesamt waren rund 60 Männer mit der Brandbekämpfung beschäftigt, während die freiwilligen Einheiten von Marbach, Gispersleben, Büßleben, Dittelstedt und Melchendorf in Bereitschaft versetzt wurden. „Bei unserem Eintreffen zeigte sich ein ausgedehnter Dachstuhlbrand“, berichtete Manfred Schmidt. „Er hat wahrscheinlich im Mittelteil begonnen, von wo aus die Flammen, unterstützt durch den Wind, auf den linken Turm in Richtung Motzstraße übergegriffen haben.“ Das Gelände sei wegen der starken Hanglage recht schwierig gewesen. Ebenso drohte die Entstehung eines Waldbrandes im nur wenige Meter entfernten Steiger. Dies konnte jedoch verhindert werden. Mit vier Wenderohren, die jeweils bis zu 2000 Liter in der Minute ausstoßen können, sowie über vier weitere Schlauchleitungen gingen die Kameraden gegen die weit in den Himmel aufsteigenden Flammen vor. Gelöscht wurde u. a. aus der Höhe von zwei Drehleitern, wobei das Wasser nicht nur aus Hydranten, sondern auch aus der Gera gezapft wurde.
Es dauerte über eine Stunde, ehe kurz vor ein Uhr „Brand unter Kontrolle“ an die Leitstelle durchgegeben wurde. Nach einer weiteren halben Stunde war das Feuer aus, der Einsatz damit aber noch lange nicht beendet. Restablöschung, die Suche nach Glutnestern sowie nach Menschen und Tieren, die sich eventuell in dem großen Objekt aufhielten und Opfer des Brandes wurden, bis hin zum Einpacken der Technik – all das zog sich bis weit in den Vormittag. Erst 10.30 Uhr rückten die letzten Feuerwehrleute ab.
Den rechten Turm hatten sie zwar halten können, nun aber dürfte das ohnehin verwahrloste und seit der Wende leer stehende Fachwerkgebäude endgültig abrissreif sein. Auch wenn das einstige Ausflugslokal am Fuße des Steigers stark von Vandalismus gekennzeichnet war, hatte es mittlerweile etwas vom Status eines Wahrzeichens, findet auch Ortsbürgermeister Thomas Hartmann. Viele Erfurter kennen das Kurhaus noch als Gaststätte, von deren Terrasse man einen spannenden Ausblick auf Hochheim und das Geratal hatte. „Insgeheim war da immer die Hoffnung, dass sich doch noch ein Liebhaber mit viel Geld findet, der wieder etwas Hübsches aus dem Haus macht“, blickte Hartmann wehmütig zurück.
Das Objekt gehörte einer Immobiliengesellschaft, war aus Ermittlerkreisen zu hören. „Wir gehen von Brandstiftung aus. Es gab weder Strom- noch Gasanschluss.  Ein technischer Defekt als Brandursache ist ausgeschlossen“, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel. Befragungen im Ortsteil hätten ergeben, dass sich in letzter Zeit immer wieder Kinder und Jugendliche auf dem Gelände aufhielten. „Drinnen wurden auch Anzeichen dafür gefunden.“
Die Kriminalpolizei sucht nun Zeugen, die hierzu oder anderweitig Hinweise geben können. Jörg Heise TA

22.01.2010 von Thomas Hartmann

Brand des Kurhauses - Foto: Jacob SchöllerBrand des Kurhauses - Foto: Jacob Schöller

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