2012-01-20_TLZ In Hochheim wird eine Altenpflegestätte eröffnet


In Hochheim wird eine Altenpflegestätte eröffnet

Bild: Erfurt 19.01.2012 / Ortsteil Hochheim / Die alte Grundschule wird zu neuem Leben erweckt. Voraussichtlich im Frühjahr soll der Umbau zu einer Tagespflegestätte für ältere Menschen beginnen. Abbildung: Sigma Plan Weimar

DRK-Kreisverband Erfurt-Land will im IV. Quartal eine Pflegestätte für Betagte in Hochheims alter Grundschule eröffnen. Der Bedarf an Plätzen in Alten- und Pflegeheimen dürfte sich in rund 15 Jahren verdoppeln.

Hochheim. Die alte Grundschule im Erfurter Ortsteil wird zu neuem Leben erweckt. Voraussichtlich im Frühjahr soll der Umbau zu einer Tagespflegestätte für ältere Menschen beginnen, bestätigt Andreas Zeuner, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Erfurt-Land. 20 Plätze sind gegenwärtig vorgesehen. Wenn alles klappt, öffnet das Haus noch dieses Jahr - im IV. Quartal.
Die künftigen Nutzer dürften vorrangig aus Hochheim selbst kommen. "Wir sind aber auch offen für Interessenten aus ganz Erfurt und aus Orten des Umfeldes." Das Betreuungsangebot liegt zwischen einem und fünf Tagen, geöffnet hat das Haus dann von Montag bis Freitag jeweils zwischen 8 und 16 Uhr. Die Wege zwischen Wohnung und Pflegestätte können von Verwandten und Bekannten selbst bewältigt oder über einen Fahrdienst abgesichert werden, erklärt Zeuner.
Diese Art der Betreuung hat zwei entscheidende Vorteile. Zum einen können betagte Bürger solange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben, zum anderen werden Familienangehörige bei der Pflege ihrer Verwandten entlastet, wenn diese tagsüber außerhalb betreut werden - und das natürlich fachlich kompetent.
"Ambulant geht vor stationär", fixiert der DRK-Kreisgeschäftsführer seinen Leitsatz.
Auch die Stadt sieht in den Tagespflegestätten eine wichtige und sehr gut geeignete Betreuungsmethode. "Wir fördern diese Projekte", meint Frank Spilling, Abteilungsleiter im Amt für Soziales und Gesundheit. Das geschehe zwar nicht finanziell. Aber man unterstütze zum Beispiel die Träger und Projektentwickler, stärke sie mit positiven Stellungnahmen, mit Einstufungen "als sinnvolles Vorhaben" und vereinfachten Genehmigungsverfahren. So habe beim Verkauf der alten Schule in Hochheim das DRK vom Stadtrat den Zuschlag bekommen, bekräftigt Bürgermeisterin Tamara Thierbach (Linke). Vor allem aus dem sozialen Aspekt heraus. Und weil solche Stätten im ländlichen Bereich fehlen.
Bislang existieren im Stadtgebiet drei derartige Einrichtungen: eine vom Arbeiter-Samariter-Bund, eine von der Volkssolidarität sowie das DRK-Christianenheim. Diese kommen zusammen auf 64 Plätze, dazu die 20 neuen in Hochheim.

"Ein Minimum von etwa 100 Plätzen wird wohl gebraucht, um die derzeitige Nachfrage zu decken", schätzt Andreas Zeuner vom DRK. Doch der Bedarf nimmt in den nächsten Jahren deutlich zu. Nicht nur bei besagter ambulanter Betreuung, sondern auch bei der stationären: Gegenwärtig gibt es in Erfurt 20 Alten- und Pflegeheime mit fast 2280 Plätzen. Bis zum Jahr 2025/30 dürfte in der Landeshauptstadt eine Verdoppelung nötig sein, erwarten Experten. Denn der Anteil der Hochaltrigen (über 80) an der Erfurter Bevölkerung werde sich bis 2020 auf 8,5 Prozent mehr als verdoppeln, sagt Spilling.

Anbau mit Fahrstuhl bis ins Dachgeschoss
Dagegen nimmt das so genannte Helferpotenzial wie Kinder und Schwiegerkinder wegen des Nachwendegeburtenknicks und der erhöhten Mobilität der Kinder stetig ab, begründet er den wachsenden Bedarf an Heimplätzen. "Gerade bei über 80-Jährigen steigt Pflegebedürftigkeit rapide an."
Die Einrichtung in Hochheim ist ein sinnvolles Zusatzangebot. Auch nach dem Umbau soll die Grundstruktur der Schule wiederzuerkennen sein. Der alte Haupteingang ist auch der neue, das zweite Treppenhaus allerdings wird abgerissen. Für den Sanitärbereich mit Umkleidemöglichkeiten und Ruheraum erfolgt ein Anbau an das bisherige Schulgebäude - von der Straße aus gesehen auf der rechten Seite. Der dort eingebaute Fahrstuhl reicht bis ins Dachgeschoss. Dort entstehen zwei 65 Quadratmeter große Wohnungen für Hochheimer oder Auswärtige.
Die Klassenzimmer bleiben im Wesentlichen erhalten. Im Erdgeschoss werden sie künftig zu einem Aufenthalts- sowie einem Therapieraum. Dort ist auch Platz für die Arbeit der Ortsvereine. Die Geschäftsstelle des DRK und ein Schulungsraum kommen ins erste Obergeschoss. "Auch eine Terrasse mit Sonnendach ist geplant", erklärt Projektentwickler Wolfgang Strauch aus Weimar.
Vor Beginn der Bauarbeiten lädt das DRK Nachbarn und Interessenten zu einer Info-Veranstaltung ein, im Sommer Neugierige zum Tag der offenen Tür. Zu jener Zeit beginnt auch die Anmeldephase fürs Betreuen. "Die Kosten liegen im ortsüblichen Bereich", sagt Zeuner. Insgesamt investiert der Kreisverband des Roten Kreuzes 1,1 Millionen Euro in das Objekt.


Wolf-Dieter Bose / 20.01.12 / TA

23.01.2012 von Thomas Hartmann

Grundriss der Seniorentagespflege

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