2012-01-12_TA Flüsse in Erfurt werden naturnaher und sicherer

Neue Ufer an Gera und Flutgraben

Bis 2015 sollen die Flüsse im Stadtgebiet wieder naturnaher und sicherer sein. Die dritte und letzte Etappe des Umbaus hat begonnen. Durch Baumfällungen sollen keine dauerhaften Lücken entstehen.

Bild: Der Uferabbruch in Gispersleben, den das linke Bild zeigt, wurde durch Robinien verursacht. Foto: privat TA

Erfurt. Morgen beginnen in Hochheim an der Gera die Arbeiten. Rund 100 Bäume, fast ausnahmslos Pappeln, werden in den kommenden Wochen nahe dem Steinernen Tisch gefällt. Bürger werden möglicherweise wieder protestieren, wie schon bei ähnlichen Arbeiten an Flutgraben und Gera. Allerdings ist dies nur der dritte und letzte Abschnitt eines großen Vorhabens. Auch am Flutgraben in der Innenstadt und an der Gera bei Gispersleben wurde in vergangenen Monaten schon häufig die Säge angesetzt.
   Dies sei, sagt Marcel Glebe von der in Jena ansässigen Landesanstalt für Umwelt und Geologie, keineswegs ein Vorhaben ohne Sinn und Verstand oder womöglich gegen die Umwelt gerichtet. Auch gehe es keineswegs darum, das Holz zu verkaufen. Hintergrund ist vielmehr die europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000. "In ihr wird erstmals gesetzlich festgeschrieben, dass der ökologische Zustand der fließenden Gewässer zu verbessern ist, bis 2015", sagt der für Erfurt zuständige Ingenieur.
Schließlich prägen die beiden Flussläufe das Stadtbild wesentlich, die Bürger lieben die Nähe zum Wasser gerade an der Krämerbrücke und der Flutgraben ist für den Hochwasserschutz sehr wichtig. Hinzu kommen viele Pflanzen und Tiere, die an den grünen Ufern leben. Doch die Flussauen, die vor Jahrhunderten das Erfurter Becken prägten, sind schon längst verschwunden.
In Erfurt wurden die Ufer von Gera und Flutgraben schon 2008 inspiziert. Ergebnis: Müll, Uferabbrüche, steile und bis zu fünf Meter hohe Böschungen, abgestorbene und angesichts der Nähe zum Wasser ungeeignete Bäume und Sträucher, wenig Gelegenheit für Spaziergänger, den Fluss zu erleben. Nur im Luisenpark, hinter der Krämerbrücke und in Gispersleben konnte man bisher ans Wasser, dort am Ufer sitzen und den Fluss wirklich erleben.

Das sollte anders werden. Jeweils zwischen Anfang November und Ende Februar kommen seit 2009 Bagger und Sägen zum Einsatz. "Es ist bitter, wenn wir Bäume fällen müssen", sagt Glebe. Allein in Gispersleben wurden 2011 an der Gera 600 Bäume gefällt. Doch er verweist auch auf den monotonen Baumbestand an den Gera-Ufern: fast ausnahmslos Papppeln und Robinien. Gerade die Wurzeln der Robinien würden an den Ufern vom Wasser ausgewaschen, die Bäume drohen zu kippen.In den nächsten Wochen werden an der Stauffenbergallee tote Ulmen beseitigt. Denn zwar ist Totholz an Ufern von Naturschützern erwünscht, doch die Nähe zur vierspurigen Straße lässt dies an diesem Flussabschnitt nicht zu.
In Gispersleben wurden auf einer Länge von 1000 Metern die Ufer flacher gestaltet, so dass man das Wasser vom Spazierweg wieder sieht. Nachgepflanzt wurden Stiel-Eiche, Schwarz-Erle, Silberweide, Elsbeere, Eberesche, Winterlinde, Traubenkirsche sowie Berg- und Feldahorn. Auch am Talknoten wurde an den Ufern gearbeitet. Schließlich donnern über dem Fluss täglich hunderte Lastwagen vorbei. Dort wurden bis zu zwei Meter tiefe Unterhöhlungen beseitigt und das Ufer mit Steinen befestigt.
Der BUND Erfurt unterstützt das Projekt ausdrücklich. Es bestehe "dringender Handlungsbedarf", sagte Alexandra Schubert, Geschäftsführerin des Naturschutzverbandes in Erfurt.
"Zuerst sieht man nur den Eingriff in die vorhandene Natur", hat Glebe Verständnis für Kritik. "Aber es steckt das Konzept eines naturnahen Flusses dahinter." Wenn alle Arbeiten beendet sind, werden insgesamt 200 neue Bäume gepflanzt sein, außerdem 900 Büsche und rund 2500 Blumenzwiebeln gesteckt. Und die Flüsse in Erfurt sind schöner - und sicher.


Angelika Reiser-Fischer / 12.01.12 / TA

23.01.2012 von Thomas Hartmann

Gera-Ufer

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