2011-11-09_TA Hochheim harrt aus

Hochheim harrt aus

Bürgerversammlung in Hochheim brachte Aufklärung in Sachen Hochwasser

Nach der Vorstellung eines Gutachtens zur Grundwassersituation in Hochheimer Häusern sind noch viele Fragen offen. Die Kellerwände in den betroffenen Häusern im unteren Ortsteil haben sich über Jahre vollgesaugt.

Hochheim. Enttäuschung, Ratlosigkeit und Ärger empfinden die Hochheimer, deren Keller seit Monaten feucht sind. Sie hatten am Montag den Ausfüh-rungen eines Gutachters zur Grundwassersituation in ihrem Ortsteil gelauscht.

Technische Lösungen für ihre verzweifelte Lage kennen sie jetzt. Doch die Stadt sieht sich nicht dazu verpflichtet, den Menschen bei der Trockenlegung der 50 Häuser finanziell zu helfen. "Wenn im Frühjahr die Schneeschmelze einsetzt, stehen die Keller wieder unter Wasser", beschreibt Holger Skrippek die Sorgen der Anwohner. Er ist Mitglied im Ortsteilrat und Sprecher der Interessengemeinschaft "Hochheim säuft ab". Bei ihm saugen sich die Wände voll, seitdem der städtische Entwässerungsbetrieb den Kanal im unteren Teil Hochheims saniert hat.

Die Arbeiten an dem Abwasserrohr im Jahr 2008 seien aber nötig gewesen, erklärt der Dezernent für Stadtentwicklung, Uwe Spangenberg. "Durch den alten Kanal floss so viel Fremdwasser, dass es den Entwässerungsbetrieb einen sechsstelligen Betrag im Jahr kostete", führt er aus. Die Sanierung sei auch im Sinne der übrigen Gebührenzahler gewesen.

Das überschüssige Fremdwasser landet zwar mittlerweile nicht mehr in der Kläranlage. Es staut sich jedoch in Hochheim - und dringt in die Gebäude ein. Das in den 1950-er Jahren verlegte Abwasserrohr hatte eine unbeabsichtigte, aber für die Anwohner segensreiche Nebenwirkung: Es ließ den hohen Grundwasserpegel sinken.

Bis zur Sanierung hatten die Hochheimer laut Spangenberg von dem undichten Kanal profitiert. Die gegenwärtige Situation sei für die Menschen in dem Ort kaum noch zu ertragen, sagt Skrippek. "Die Betroffenen haben im September schon in Eigeninitiative einen Graben ausgehoben", erzählt er. So könne Wasser über ein Feld zur Gera hin abfließen. Skrippek ist nicht der einzige Anwohner, der zusätzlich eine Klage gegen die Stadt erwägt. Dezernent Spangenberg verweist dagegen darauf, dass die Erbauer der betroffenen Häuser diese einst in einer Aue errichtet hätte. "Die Stadt ist nicht dafür verantwortlich, dass die Keller in Privathäusern abgedichtet werden", betont er. Dies könne und dürfe die Kommune nicht leisten.

Das Gutachten - das von der Stadt bezahlt wurde - nennt drei Auswege: Brunnenbohrungen und Ableitung des Wassers, Drainagen oder die Öffnung des in Rohre gezwängten Hochheimer Baches inklusive Drainage. Vor allem der erste Vorschlag würde hohe Folgekosten bedeuten. Ortsteil-Bürgermeister Thomas Hartmann favorisiert eine schnelle Lösung.

"Als erste Maßnahme lässt die Stadt zumindest den Mühlgraben reinigen und tiefer legen", sagt er. Diese Arbeiten würden die Anlieger des Grabens entlasten, nicht aber die Fließrichtung des Grundwassers ändern. "Leider geht aus dem Gutachten nicht hervor, warum es um 1900 mit dem offenen Hochheimer Bach geklappt hat", sagt er. Gegen eine Offenlegung des verrohrten Gewässers hätten weder er noch Skrippek etwas. Unklar ist aber, wie die Renaturierung bezahlt und umgesetzt werden soll.


Ulrike Hendan / 09.11.11 / TA

Bild: In der Turnhalle der Regelschule Steigerblick versammelten sich am Montag knapp 100 Hochheimer. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt tagte dort mit dem Ortsteilrat und dem Bauausschuss. Fotos: Susann Fromm

Bild: Zum Schutz des Bodens gab es Schuhhüllen.

09.11.2011 von Thomas Hartmann

Zum Schutz des Bodens gab es Schuhhüllen. Foto: Susanne FrommIn der Turnhalle der Regelschule Steigerblick versammelten sich am Montag knapp 100 Hochheimer. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt tagte dort mit dem Ortsteilrat und dem Bauausschuss. Fotos: Susann Fromm

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