2011-10-17_TA Neuartiges Wohnvorhaben der Lebenshilfe in Hochheim Porträt

Neuartiges Wohnvorhaben der Lebenshilfe in Hochheim

Projekt "Hände" hilft Spenden sammeln für ein neuartiges Wohnvorhaben der Lebenshilfe in Hochheim. Diese Woche erfolgt der lange geplante Baustart Am Bache. 12 Wohnungen und ein Tagestreff entstehen.

Hochheim. Es tut sich was. Endlich. So manchen Spaziergänger über die herbstlichen Wiesen führte es am Wochenende in Hochheim zur Baustelle Am Bache, wo ein Bagger den Baustart ankündigt. Noch fehlt das Baustellenschild mit einer Abbildung des Projektes. Aber die Lebenshilfe Erfurt hat ihr Vorhaben vor längerem im Ortsteilrat vorgestellt: ein generationenübergreifendes Wohnen für Menschen mit und ohne Behinderung. "Es gab keinen Gegenwind", sagt Uwe Kintscher, Vorsitzender des Vereinsvorstandes in Vorfreude auf etwas ganz Neues.

Lange genug hat es gedauert. Schon 2003 erwarb die Lebenshilfe das Anwesen des Drei-Seiten-Hofes mitten im Ort mit Wohnhaus und Scheunen. Abrissreif. Dann kippten immer wieder die Finanzierungen. "Beispielsweise mussten wir unsere Eigenmittel erst mal in die Wohnstätte, die für die Ottostraße genehmigt wurde, stecken", schildert Uwe Kintscher.

Inzwischen werden Wohnstätten gar nicht mehr gefördert, und der Heimcharakter hat sich in der Behindertenbetreuung weitestgehend überholt. Gute Entwicklungen, wie man bei der Erfurter Lebenshilfe aus vielen Gesprächen mit Betroffenen und ihren Angehörigen weiß. Heute gibt es Alternativen gegen die große Angst der Eltern, was wird, wenn wir mal nicht mehr sind. Muss unser Kind dann ins Heim?

Das Haus am Bache in Hochheim ist darauf eine Antwort. Mit der aktuellen Diskussion um gleichberechtigte Teilhabe für Menschen mit Behinderung (Inklusion) kam auch wieder Bewegung in die Konzepte für das Hochheimer Projekt.

Das Modell des Erfurter Architekturbüros L+S Hauschild wirkt anheimelnd. 12 Wohnungen sollen auf zwei Etagen entstehen - für Alleinlebende ebenso wie für die junge Mutter mit Kind oder das Wohnen in Gemeinschaft. Damit die künftigen Mieter mitreden können, gab es bereits eine erste Zusammenkunft - mit vielen Fragen.

Wichtig ist den meisten, dass sie sich beim Einzug nicht fremd sein werden. Teils nutzen sie schon das ambulante Wohnen der Lebenshilfe, kennen sich aus der Werkstatt für Behinderte oder ziehen mit ihren Angehörigen ein - aber nicht zusammen. Beispiel: Der bereits 40-jährige Sohn mit Behinderung wünscht endlich ein eigenes Zuhause. Die Mutter möchte in der Nähe bleiben, wird im Alter gleichfalls manch Hilfe annehmen. Die kann man zum selbstständigen Wohnen dazu kaufen. Das schafft zugleich weitere Arbeitsplätze für behinderte Menschen z. B. im Serviceteam der Lebenshilfe.

"Und im Erdgeschoss wird es einen Tagestreff geben, eine Begegnungsstätte auch für die Hochheimer - mit Mittagessen und Veranstaltungen", ergänzt Manuela Kintscher von der Lebenshilfe-Geschäftsführung.

Die Alltags-Verbindungen zum Ortsleben sind gewünscht, man hofft auf den benachbarten Bäcker, rechnet auf die Physiotherapiepraxis. Und dank des Stadtbusses liegt Hochheim auch nicht "aus der Welt".

Inzwischen gibt es auch ein Finanzierungsmodell. Drei Millionen Euro werden gebraucht, öffentliche Mittel gibt es dafür nicht. Den Grundstein mit 50 000 Euro legte die Lebenshilfe-Erfurt-Stiftung und sammelte ebenso wie der Lebenshilfe-Verein über fünf Jahre intensiv Spenden. Erneut hilft auch die Aktion Mensch mit. Gebraucht werden aber noch viele helfende - sprich gebende - Hände. Diese sollen als Händeabdruck dann das künftige Foyer im Haus am Bache schmücken. Als Dankeschön.

Wenn das schöne Wetter anhält, wird der Bagger diese Woche den Boden für das ungewöhnliche Wohnmodell bereiten können. Auch das Bauschild wird jeden Tag erwartet.

Kontakt: (03 61) 60 07 00


Iris Pelny / 17.10.11 / TA

18.10.2011 von Thomas Hartmann

Im alten Ortskern von Hochheim entsteht ein Wohnprojekt der Lebenshilfe. Foto: Susann Fromm

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