2011-03-18_TA Gutachten soll Klarheit bringen

Gutachten soll Klarheit bringen

Grundwassergeschädigte Hochheimer erklären dem OB ihre Notlage an den Orten des Geschehens

In der Problematik um die vom Grundwasser beschädigten Keller in Hochheim hat sich jetzt der OB eingeschaltet. Er machte sich an den Tatorten selbst ein Bild vom Ausmaß des Dilemmas.

HOCHHEIM
"Wenn man es selbst gesehen hat, ist es schon etwas anderes, als in der Zeitung darüber zu lesen", gestand am Mittwoch Oberbürgermeister Andreas Bausewein, nachdem er durch einige der unter (Grund-)Wasser stehenden Keller geführt wurde. Er hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, auszubaden, was 2008 vermeintlich verbockt wurde, als der Abwassersammler in die Kur genommen wurde.
Hochheim. Seitdem fließt das Grundwasser durch diesen nicht mehr ab, etwa 15 Millionen Kubikmeter Wasser, die zuvor in die Kläranlage abgeleitet wurden; dort drohten sie, biologische Funktion außer Kraft zu setzen. Seitdem hat sich die Region Am Bache/Mühlgraben/Poststraße zu einem großen Feuchtgebiet entwickelt.
Der OB verschaffte sich einen Eindruck vor dem gestrigen Regen, nachdem der Grundwasserspiegel nach fünf trockenen Wochen um etwa 20 Zentimeter gesunken war. Und trotzdem hieß es in jedem Keller "Vorsicht am Beckenrand!", stand das Wasser noch bis zu 20 Zentimetern hoch. In den zur Schau gestellten Kellern waren die Heizungsanlagen meist bereits "aufgebockt", eine weitere Nutzung sonst nicht möglich. Einige Hochheimer haben sich mit "Haus-Wasserwerken" bereits auf Dauer auf die Situation eingestellt. Andere sehen durch das Wasser inzwischen ihre Existenz bedroht.
Für Rüdiger Esser ist diese an die Vermietung seiner aufwendig sanierten Wohnungen gebunden, für die er einen Kredit aufnahm, der mit den Mieteinnahmen abgezahlt werden soll. Noch hat er zwei ältere Mieter im Haus. Dass diesen irgendwann jüngere nachfolgen könnten, schließt er bei den feuchten Wänden und dem Wasser im unbrauchbaren Keller aus. "Dann werden sie mein Haus wohl versteigern", führt er dem Oberbürgermeister den Ernst der Situation vor Augen.
Maßnahmeplan ist da
Und der machte nach dem Rundgang in der Runde der Betroffenen deutlich, dass er den Ernst durchaus erkannt hat und dass das Versprechen des von der SPD-Fraktion des Stadtrates eingeforderten Maßnahmeplanes natürlich gehalten wurde die CDU-Fraktion hätte sich vor ihrem Vorwurf "passiert ist nichts" zuvor besser informieren sollen. Er hatte ihn dabei, und damit reichlich Material zur Diskussion: Bis Ende März soll ein Gutachterbüro damit beauftragt werden, die Ursachen zusammenzufassen und einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Dies wird drei Monate dauern, weil über diesen Zeitraum der Stand des Grundwassers an verschiedenen Punkten gemessen werden soll. Zwar wurden in der Not viele Ursachen ermittelt und Lösungswege ergründet, das Problem sei aber zu komplex und benötige deshalb zu allererst eine fachliche Analyse. Diese soll bis August stehen und im Rahmen einer weiteren Einwohnerversammlung vor Ort vorgestellt werden, versprach Jörg Lummitsch, der Leiter des Umwelt- und Naturschutzamtes. Gegen kurzfristige Lösungen sprach er sich bis dahin aus. Zwar habe sich im Rahmen der Hochwasserbeseitigung im Frühjahr gezeigt, dass es mit leistungsfähigen Pumpen möglich ist, den Grundwasserspiegel zu senken, dies würde aber zwangsläufig zur Schädigung der Fundamente führen, da mit dem Wasser auch die Grundlage weggespült wird, auf denen diese stehen.
Es wird eine Lösung geben, wurde in den August vorausgeblickt und vielleicht, so machte OB Andreas Bausewein Mut, ist es sogar eine ganz einfache, kurzzeitig finanzierbare. Denn sicher ist: Bei den 30 000 Euro, die für das Gutachten im Haushalt der Stadt kurzfristig einsortiert wurden, wird es nicht bleiben. Vor allem, so wurde von einem Betroffenen zu bedenken gegeben, wenn sich herausstellt, dass der gesammelten Schaden von Amts wegen verursacht wurde bis dato würde sich dieser bereits auf etwa eine Million Euro belaufen. Von den Bauarbeitern wurde einst sofort bestätigt "ab morgen habt ihr Wasser im Keller", eine Folgeeinschätzung, die solches auch amtlich macht, wurde erst nach den ersten Beschwerden erstellt, ein Jahr nach der Sanierung des Kanals.

Hartmut Schwarz / 18.03.11 / TLZ

19.03.2011 von Thomas Hartmann

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