2010-11-08_TA Ärger im Keller

Ärger im Keller

Einbau neuer Rohre ließ den Grundwasserspiegel steigen und damit die Überflutungsgefahr

Es ist grotesk: Das Abwassersystem Hochheims ist nach Sanierungsarbeiten im Jahr 2008 zwar top, seitdem stehen aber in Abständen einige Keller unter Wasser. Das sorgt für Ärger im Dorf und Debatten im Rathaus.

Von Vera Dähnert

HOCHHEIM.
50 Jahre war die Welt in Ordnung, denn die Qualität der 1955 im Dorf verlegten Abwasserrohre war schlecht. Das klingt reichlich makaber. Weil das Material porös war und wie Drainage wirkte, nahmen die Rohre Grundwasser auf. Dieses gelangte mit dem Schmutzwasser in die Kläranlage, was zweifellos nicht Sinn und Zweck der Entsorgung ist und gegen die Auflage verstößt, Grundwasser da zu belassen, wo es ist. Positiver Nebeneffekt: Der Grundwasserpegel war ein halbes Jahrhundert auf niedrigstem Stand. Erbauer von Eigenheimen mussten bei der Planung der Hausfundamente in punkto Hochwasserschutz auf Besonderheiten nicht achten.
2008 stand die Kanalsanierung an, seither dringt kein Wasser von außen mehr in die Rohre, der Grundwasserpegel stieg, das hatte verheerende Folgen. Zwar wird die Kläranlage nicht mehr mit sauberem Wasser belastet, dafür müssen Hochheimer zusehen, wie ihre Häuser geflutet werden, wettert CDU-Stadtrat Thomas Hutt. Auch die Öffnung eines alten Bachkanals, um Wasser abfließen zu lassen, habe keine ausreichende Entlastung gebracht. Ein Fakt, den Hans-Dieter Ludwig, Werkleiter des Entwässerungsbetriebes, bestätigt. Im jüngsten Stadtrat hatte Hutt das Thema zur Sprache gebracht und nennt es zynisch, dass die Stadtverwaltung den gestiegenen Grundwasserspiegel in Kauf nimmt, weil man Kosten in der Kläranlage spart.
Hans-Dieter Ludwig kann den Frust der Hochheimer verstehen, erklärt aber:
Der Grundwasserspiegel ist wieder da, wo er natürlicherweise liegt, vergleichbar mit dem Wert im Jahr 1955. Jetzt sei die Wasserbehörde am Zug, Varianten für eine technische Absenkung des Pegels zu prüfen, beispielsweise den Einbau einer Drainage. So bitter es klinge, es sei jetzt auch Sache der Anwohner, die Häuser besser vor dem Eindringen des Wassers zu schützen. Das
heißt: Abdichten in Eigenleistung. Auflagen dazu würden allerdings nicht erteilt. Thomas Hutt gibt sich damit nicht zufrieden. Er fordert, Oberbürgermeister Andreas Bauswein (SPD) auf, sich schnellstes um Nachbesserung zu bemühen, damit Teile von Hochheim nicht weiter Land unter liegen.

11.11.2010 von Thomas Hartmann