2010-09-02_TA Sechsjährige Nooria hat Kieferoperation gut überstanden

Sechsjährige Nooria hat Kieferoperation gut überstanden

Die schönen langen Haare sind verschwunden, eine lange Narbe zieht sich auf der rechten Gesichtsseite hinter dem Ohr entlang. Aber das ist alles nebensächlich. Denn Nooria kann wieder lachen. Richtig, mit weit geöffnetem Mund. Und sie kann richtig essen, erzählen und auch gähnen.

Erfurt. Diese für andere Menschen ganz selbstverständlichen Dinge, sie alle waren für die kleine Afghanin eine Tortur. Maximal zwei Millimeter konnte das sechsjährige Kind die Zähne auseinanderbekommen. Ein Unfall hatte Noorias Kiefergelenk gebrochen. Beim Zusammenwachsen ging etwas schief, rechter Unterkiefer und Schädelbasis wuchsen zusammen. Tägliches Leiden. Ein Fall für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Erfurter Helios-Klinikum. Einmal jährlich wird dort eine solch komplizierte Operation für Kinder aus Kriegsgebieten kostenlos vorgenommen. Nooria war die Glückliche, die dank der ärztlichen Kunst des Teams unter Chefarzt Prof. Dr. Hans Pistner nun wieder normal essen kann.

Ohne die Operation hätte Nooria wohl bald ernste Probleme bekommen. Denn ihr Gebiss hätte sich total deformiert. Schmerzhaft wäre es auch geworden, denn durch die fehlende Möglichkeit der Zahnpflege hätte man mit starker Karies rechnen müssen, sagt der Kieferchirurg. Dennoch ist das Kind noch nicht völlig geheilt. "Wir sind noch nicht ganz fertig", sagt Prof. Pistner. Einige Milchzähne müssen dem Mädchen noch entfernt werden, damit sich das bislang total blockierte Gebiss normal entwickeln kann. Und dazu müssen eben die Milchzähne den Schneidezähnen weichen. Ein so genannter Bionator hilft dann überdies Fehlstellungen der Kauwerkzeuge zu verhindern.

Am 1. September konnte Nooria den Erfolg der Operation vom 19. August zeigen. Mit einem herzlichen, kindlichen Lachen. 23 Millimeter kann sie nun den Mund öffnen. Vorerst genug, um all die Leckereien, die sie sich früher erst in millimetergroße Schnipsel zerkleinern musste, einfach so zu essen, wie jeder andere auch. Selbst Salzstangen und geschnittene Äpfel waren schon dabei. Doch an Nudeln mit Tomatensoße, da kommt nichts ran. Ein typisches Kinderessen macht eben vor Grenzen und Nationalitäten nicht Halt. Gemüse, Brot und natürlich Schokolade gehören ebenfalls zu den Lieblingsspeisen der kleinen Patientin, die, wenn alles gut verheilt ist, in der nächsten Woche wieder ins Friedensdorf und später, nach vollständiger Genesung, in ihre Heimat zurückkehren wird.

Bis zur Operation hatte sich Nooria vorwiegend flüssig ernährt. "Sie ist ein Kind mit einem ungeheuer starken Überlebenswillen", sagt Prof. Pistner respektvoll. Die Zeit wird ihr gut tun, ist er überzeugt. Und tatsächlich, die Kleine lächelt mal verlegen oder strahlend, wie in jenem Moment, als ihr der Professor zwei Ohrstecker zum Geschenk macht und seine Patientin damit schmückt. "Dafür ist man Arzt geworden, das freut einen", sagt er sichtlich zufrieden. Und dann hat er noch ein Lob für Nooria parat: "Sie hat von all den Kindern, die ich in den letzten fünf Jahren operiert habe, den Eingriff am besten und schnellsten weggesteckt". Wie zum Beweis zeigt ihm das Mädchen, wie es mit Holzspateln täglich mehrfach geübt hat. Immer ein Spatel mehr, jetzt sind es schon zwölf übereinander. "Sie muss dran bleiben und ihr Leben lang üben, damit ihr Kiefer nicht wieder zusammenwächst", sagt der freundliche Mediziner. Der aus der OP, die aber keine "Allerwelts-OP" gewesen sei, auch einiges an neuen Erkenntnissen für sich gewonnen hat, wie er sagt. Zum Lohn bekommt er ein dankbares Lachen von Nooria geschenkt.

Michael Keller / 02.09.10 / TA

02.09.2010 von Thomas Hartmann

Prof. Dr. Hans Pistner

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