2006-05-26_TA Mein Feind der Baum

Mein Feind der Baum

In der Poststraße in Hochheim wehrt man sich gegen mehr Grün und plädiert stattdessen für Parkplätze

Verkehrte Welt im Bauausschuss. Währand in der Stadt seit langem über mehr Grün diskutiert und  gestritten wird, wehren sich die Anwohner der Poststraße in Hochheim gegen vier Bäume, die im Zuge der geplanten Straßensanierung dort gepflanzt werden sollen.

Von Michael KELLER

HOCHHEIM. "Können wir nicht vielleicht einen Kompromiss finden und vielleicht nur drei pflanzen?" Hochheims Ortsbürgermeister Thomas Hartmann fragt es fast flehend in die Runde des Bauausschusses. Ihm war das Verhalten seiner Mitbürger offensichlich peinlich. Das ärgert mich richtig", sagt er. Und es irritiert die Ausschussmitglieder auch gehörig, dass das Pendel gerade beim Thema Baum in Hochheim in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt. Die Argumente der protestierenden Anwohner der Poststraße ist in der Tat eigentümlich. Man wolle lieber Parkplätze und außerdem störe im Herbst das Laub, hieß es. Außerdem, der Steiger sei ja nur ein paar Minuten entfernt. Soll heißen, wer Bäume will, soll hingehen.
Das wollte der Ausschuss so allerdings nicht durchgehen lassen und rang sich nach langer Diskussion durch, nicht an dem Beschluss von vier Baumpflanzugen zu rütteln. "Das ist einfach nicht nachzuvollziehen, dass 80 Prozent der Anwohner gegen Bäume sind. Wir entscheiden aber im Sinne der Allgemeinheit und nicht einiger Anwohner", so Bauausschussvorsitzender Peter Stampf. CDU-Ratsherr Christoph Zühl hielt ihm jedoch entgegen, wenn alle Betroffenen das nicht wollten, könne er kein anders gelagertes Interesse der Gemeinschaft erkennen. Er zeigte Verständnis für die Einwände, weil dadurch ja drei Parkplätze wegfallen würden. SPD-Stadtrat Wolfgang Metz wiederum zeigte sich verwundert ob der Hochheimer Intentionen, meinte aber, man solle nur drei Bäume pflanzen und sich wegen dem einen nicht mit den Bürgern anlegen. Anderenorts würde man sich doch über zusätzliches Grün freuen.
Erfurts Baubeigeordneter Rainer Wiesmaier war hingegen sichtlich ungehalten ob des Hochheimr Baumwiderstands. Man sollte eine große Tafel aufstellen, auf der der seltsame Bürgerwille für alle deutlich sichtbar dokumentiert werde. "Soviel Heuchelei, wie sie mit den Bäumen getrieben wird, das geht auf keine Kuhhaut", machte Wiesmaier seinem Unmut Luft. Grünen-Stadtrat Alexander Thumfahrt fand Bürgerbeteiligung prinzipiell in Ordnung, aber nur, wenn man stichhaltige Gründe liefere. "Die hier überzeugen mich aber gar nicht" so seine Meinung.

28.01.2010 von Thomas Hartmann

Poststrasse in Hochheim 2006

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